Gedanken

Der Kampf mit der Reichweite

16. Juli 2015

Die Fashion Week ist schon längst vorbei und immer noch lässt mich das Thema mit der Reichweite nicht los. Welchen Platz habe ich eigentlich in der Blogger Welt? Ich habe nicht die Reichweite, wie andere. Das weiß ich. Ich mache das alles noch nicht so lange. Aber ist man deshalb weniger wert in dieser Welt? Hauptsächlich wurde ich wirklich positiv empfangen und wahrgenommen, wenn man denn wahrgenommen wurde.

Aber genau so habe ich es auch anders erlebt. Beim Fashion Blogger Café kam ich mir vollkommen fehl am Platz vor, vollkommen. Andere Blogger sind an mir vorbei marschiert mit ihrem Kopf so hoch, als wären sie etwas besseres. Gespräche begannen mit: ,,Wie heißt du auf Insta und wie viele Follower hast du?“ Deren scheiß Ernst? Anders wird man nicht gemessen, wahrgenommen? Ich wurde umhergeschubst und niemand hat sich um einen geschert, auf eine Entschuldigung wartete man vergebens.

Ist es das, was die Menschen erfüllt? Suchen sie ihre Gesprächspartner nach der Reichweite aus?
Vollkommen perplex stehe ich vor ihnen und komme mir schrecklich vor, klein und unwürdig dort zu sein.
Ich klammere mich an meine Wasserflasche und nippe unaufhörlich an ihr. Irgendwie gab mir das Sicherheit. Als sie leer war, war ich heilfroh. Ich konnte gehen, auch wenn ich gerade mal eine Stunde dort war. Am Ausgang werde ich dann noch nach der Farbe meines Bändchens gefragt, damit ich auch die richtige Goodie Bag bekomme. Natürlich bekommen Blogger mit einer größeren Reichweite andere.

Ich sitze in der Bahn und denke zurück. Schon immer dreht oder drehte sich alles nur um Zahlen. Als ich noch gemodelt habe, waren es die Maße. Hüft- und Bauchumfang waren für mich damals das, was es heute die Reichweite ist. In der Uni sprechen alle von ihren Noten, dem Durchschnitt und davon, dass man keinen guten Job bekommt, wenn man keine guten Noten schreibt. Zahlen sind heutzutage also das, an dem ein Mensch gewertet wird. Ich hatte gehofft, als ich das Modeln aufgab, dass ich mich dieser Oberflächlichkeit entziehen könnte, aber dem ist nicht so. Überall wird verglichen anhand von Zahlen. Wo bleibt aber die menschliche Komponente in diesem Wirr Warr von Werten, Zahlen, Nummern?

Wieder in meiner Unterkunft angekommen kuschle ich mich zurück ins Bett und ziehe die Bettdecke hoch. Hier interessiert keinen meine Reichweite und als ich meinen Freund nach den Tagen Fashion Week Wahnsinn endlich wiedersehe, bin ich heilfroh. Ihn, meine Familie und meine Freunde interessieren diese ganzen Zahlen nicht und ich wünschte, ich würde sie auch nicht ganz so ernst nehmen.

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